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Angelas Fischerhütte: Haben sie uns vergessen Frau Merkel?

 

Lang ist`s her, aber vergessen sollte man es nicht: Am 2. November 1990 besucht Angela Merkel die Fischer von Lobbe auf der Insel Rügen. In einer Pause diskutiert sie mit Ihnen die Zukunft der Küstenregion. Angela Merkel bekundet, dass auch sie sich Sorgen um die Zukunft der Meere mache. Die Menschen aus der Region und viele Andere fragen jetzt vertreten durch die Kampagne “Angelas Fischerhütte” : Haben sie uns vergessen Frau Merkel?

Beim ersten Besuch der Fischerhütte durch die derzeitigen Bundeskanzlerin war die Fischerei auf Rügen noch eine verbreitete, traditionelle Tätigkeit und Fisch gab es damals noch zu Genüge. Frau Merkel trug Jeansrock und Strickjahre und war 36 Jahre alt. Das Foto fehlt in keiner Biographie der Kanzlerin. Angela versprach, “was für uns Fischer zu tun. Direkt zum Kohl wollte sie gehen“, sagt Rainer Ehlers, einer der Fischer auf dem Bild.

1990 besucht Angela Merkel die Fischer in ihrem Wahlkreis in Lobbe auf Rügen. (Magret Eichner)

Heute hat – nach Meinung verschiedener Wissenschaftler, Umweltschützer und Aktivisten- auch oder vor allem die  Gesetzespolitik der GFP dazu geführt, dass viele  Fischarten vom Aussterben bedroht und die Meere leergefischt sind. Auf der Kampagnenseite von Angelas Fischerhütte heißt es:

ES HERRSCHT HEUTE WEITGEHEND EINIGKEIT DARÜBER, DASS:

  • zwei Drittel des europäischen Fischbestands überfischt sind
  • die EU Flotte (Kapazität) 40% zu gross ist
  • ein Drittel aller gefangenen Fische tot über Bord geworfen werden
  • die europäischen Steuerzahler jährlich 1 Milliarde Euro für die Förderungen der Fischindustrie ausgeben, und trotzdem die Zahl der Beschäftigten in der europäischen Fischwirtschaft zwischen 1997 und 2003 um 23% gesunken ist
  • einige Arten mitlerweile so selten sind, dass sie nicht mehr gefischt werden können, wie z.B. der Nordsee Rochen

Auch andere sehen die Fischreipolitik und ihre Auswirkungen kritisch:

Für das Fachmagazin “Nature” analysiert der Wissenschaftler Rainer Froese (Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften) die Gemeinsame Fischereipolitik der EU und kommt zu diesem Ergebnis:  Seit Jahren verhindere eine schlagkräftige Lobby nötige  Reformen und verteidige sinnlose Subventionen und habe zudem einen Dschungel bürokratischer Vorschriften entwickelt. (drradio)

Das Magazin „The Economist“ beschreibt in einem Artikel die jährliche Fischerei-Ministerkonferenz in Brüssel als „eine widerliche Farce, in der Wissenschaftler Fangverbote oder niedrige Quoten vorschlagen um Fischarten vor dem Aussterben zu bewahren, die Europäische Kommission diese Quoten erhöht, nationale Minister sie weiter erhöhen und die nationalen Fischereiflotten wieder herausgeschickt werden um die Meere zu vergewaltigen.“

Angela Merkel kennt die Probleme und Diskussionen der Gegenwart und die düsteren Zukunftsaussichten für Fische, Fischer und Meere, doch das Thema steht scheinbar nicht mehr oben auf ihrer Prioritäten-Liste. Im Wahlkampf 1990 dagegen half der Einsatz für Fische und Fischer noch beim Stimmenfang in ihrem Wahlkreis.Bei vielen Gelegenheiten warb Frau Merkel für traditionellen Fischfang.

Im Jahr 2009 kehrt die Bundeskanzlerin schließlich sogar (mit der BILD) in die Fischerhütte zurück. Die Bild schreibt: “Es nieselt, als die Kanzlerin (schwarze Hose, camelfarbener Blazer) die Hütte erreicht. Sie begrüßt die Fischer, die längst keine Fischer mehr sind: Hans-Joachim Bull (52) arbeitet heute bei der Kurverwaltung, Eberhard Heuer (62) ist Frührentner. Rheuma, steife Glieder, kaputter Rücken – die Arbeit war hart und die Zeit hat es nicht gut gemeint mit den Fischern von Lobbe. ” (BILD)

19 Jahre nach dem ersten Besuch der Kanzlerin leben noch zwei Fischer… und die fischen nicht mehr. Die Fischerhütte ist ungenutzt und verfällt. Sinnbild für ein gescheitertes System. Das Foto des zweiten Zusammentreffens spricht Bände, deshalb wurde es wohl auch aus dem Bericht der Bildzeitung entfernt und ist auch ansonsten schwer im Netz zu finden. Der Fischer Hans-Joachim Bull, der auf dem Bild von 1990 hinten links kaum zu sehen ist und nach dem Besuch der jungen Politikerin damals sogar in die CDU eintrat, brachte die Stimmung vor Ort – laut Ostsee-Zeitung -  auf den Punkt, als er die neuen Versprechen von Angela Merkel so kommentierte: “Diesmal sollte sie sich aber keine 19 Jahre Zeit lassen, dann gibt es nämlich keine Fischer mehr bei uns.” (Aktion Störtebecker)

Heute im Jahr 2011 ist die Hütte verlassen und der Zutritt verboten.

 

Die Hütte Heute Foto: Thore Küster

Die Kampagne findet klare Worte:  “Wenn sich bis 2022 nichts ändert, sind  mindestens 91 Prozent der Fischbestände vom Aussterben bedroht: Kein Fisch, keine Fischer, keine Fischerhütte!”

Gegen das Vergessen: Die Fischerhütte wurde nachgebaut und wird nun durch Deutschland touren, um Angela Merkel an ihre Versprechen und die Notwendigkeit einer Reformierung der Fischereipolitik zu erinnern.

 

Die Fischerhütte on Tour

Fordere Angela Merkel auf, den Fischen und den Fischern zu helfen!”

Lesenwert:

” Frau Merkel und die verschwundenen Fischer von Lobbe”(Aktion Störtebecker)

“Die Fischer und Ihre Frau” (Spiegel)

“Innen hui-aussen Pfui” (politplatschquatsch)

“In einem anderen Leben” (fr-online)


Infos zur GFP:

www.taz.de

www.epo.de

www.dradio.de


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  1. Thore sagt:

    Schöne und verständliche Zusammenfasung Rieke. Merci

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    • mygreenhood sagt:

      Lieber Thore–gerne! Viel Erfolg- grüß angie von mir….bis bald mal hoffentlich

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