Blog

Wer mitisst, ist dabei: Das Projekt “Incredible Edible”

Wie wäre es, wenn man auf dem Weg zur Arbeit Äpfel und Brombeeren pflücken und auf dem Nachhauseweg Zwiebeln, Tomaten und Gemüse für das Abendessen ernten könnte? Was nach utopischem Schlaraffenland klingt, ist in der englischen Stadt Todmorden Wirklichkeit geworden.

Die Bewohner der Stadt, die zwischen Yorkshire und Lancashire liegt, versorgen sich durch ihre öffentlichen Obst-und Gemüsegärten zu einem Gr0ßteil selbst mit Lebensmitteln. Angesichts von Finanzkrise und global gesteuerter Ernährungsindustrie starteten die Einwohner mit ihren „Propaganda Beeten“ eine wahre Revolution. Den ehrenamtlichen GärtnerInnen geht es ausdrücklich um eine sanfte Revolution, die der Gemeinschaft und der Natur nützt. Sie wollen aus „hässlichen Orten“ schöne und vor allem essbare Orte machen. Gepflanzt werden zahlreiche verschiedene Sorten an Gemüse, Obst und Kräutern. Mittlerweile besteht das Incredible Edibel- Projektes aus circa 70 Pflanzungen, die in der gesamten Stadt verteilt sind. Zwischen Parkplätzen, Schulhöfen und auf vielen vorher leeren Flächen findet man nun zum Beispiel Äpfel, Kirschen, Aprikosen, Erdbeeren,Bohnen, Kartoffel, Möhren,Salate und verschiedene Sorten duftender Kräuter.

Eine der Initiatoren ist Mary Clear. Die pensionierte Gärtnerin riss vor 3 Jahren die Mauer zu ihrem Gemüsegarten ein und brachte ein Schild an. „Kommt  bedient euch“ stand darauf. Sie sagt:„Es dauerte eine Weile bis die Menschen es kapierten.“ Mittlerweile geht das Projekt weit über ihren Garten hinaus. Und es gibt im Gegensatz zu vielen anderen Projekten sozialer oder ökologischer Art kaum Widerstand innerhalb der Bevölkerung oder auf Behördenseite. Auch die anfängliche Skepsis wich mit der Zeit. Die ehrenamtlichen Gärtner machen es den Menschen allerdings auch leicht, für ihr Projekt zu sein, unabhängig von sozialem Status, persönlicher Meinung oder familiärer Situation. Die Essbaren Gärten sind wunderschön und jeder kann sich aus ihnen bedienen ohne zu bezahlen.  Das Motto von “Incredible Edidble”: Wer mitisst, ist dabei”. Sogar Prinz Charles ließ es sich nicht nehmen die Stadt zu besuchen.Der royale Naturliebhaber war begeistert, trotz fehlender Genehmigungen für die Pflanzungen:„He loved it how we plant“.

Die Auswirkungen der öffentlichen Gärten sind durchweg positiv. Die Kriminalitätsrate sank, Gemeinschaftssinn und Naturverbundenheit wuchsen. Ein Großteil der Bewohner beteiligt sich mittlerweile an den Pflanzungen, der Organisation und Pflege. Es gibt Kochkurse für Kinder, und gemeinsame Veranstaltungen. Auch verschiedene Schulen beteiligen sich an der „sanften Revolution”. Es gibt einen Obstnaschgarten mit köstlichen Beeren und ein Schulprojekt für Hühnerhaltung. Auch die Eier für die Schulmensa sollen aus Todmorden stammen. Der Titel: „Every Egg Matters“.

Es geht den Initiatoren des Projektes um ein wichtiges Gut: Nahrungsmittel. Klar ist: Jeder muss essen und das verbindet auch die verschiedenen Gruppen und Nationalitäten in der Stadt. Statt Streit oder Ignoranz gibt es mittlerweile Gespräche und Austausch zum Beispiel über die besten Anbaumethoden oder das leckerste Rezept für Mixed Pickles.

Todmorden gilt als weltweites Vorbild. Ob zum Beispiel in Kanada, Deutschland oder China, das weltweite Interesse an öffentliche Obst und Gemüsegärten und regionaler Lebensmittelversorgung wächst. Vielerorts ist man wohl der Meinung, dass die Zeit für Ligusterhecken und Ziersträucher gekommen ist.

Die sanften Revoluzzer sind sich der politischen Tragweite ihrer Gärten durchaus bewusst:

Selber Lebensmittel zu produzieren ist das gefährlichste was man tun kann, denn es besteht die Gefahr die eigene Freiheit zu erlangen!

www.incredible-edible-todmorden.co.uk

Eine tolle Reportage über Todmorden  kann man sich hier anhören.

Fotos: Incredible Edible Todmorden

VN:F [1.9.10_1130]
Rating: 7.5/10 (4 votes cast)
Wer mitisst, ist dabei: Das Projekt "Incredible Edible", 7.5 out of 10 based on 4 ratings

Post to Twitter